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ISBN: 978-3-442-26822-1
ISBN10: 3-442-26822-2
Erscheinungsjahr: 2000
Artikel-Nr.: 1123505
Einbandart: Kartoniert, Paperback
Produktart: Buch
Sprache: Deutsch (de)
Warengruppe: Science Fiction TB
Letztes Update: 21.05.2012 21:55:03
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Der Thron der Sieben Königreiche
Das Lied von Eis & Feuer Bd. 3
Zusammenfassung
Leseprobe
Der Maester stand auf dem windgepeitschten Balkon vor seinem Zimmer. Hierher kehrten die Raben nach ihren langen Flügen zurück. Die dämonischen Steinfiguren, die sich rechts und links von ihm drei Meter in die Höhe erhoben, ein Zerberus und ein geflügelter Drache, zwei der tausend Figuren auf den Mauern der betagten Festung, waren mit dem Kot der Vögel gesprenkelt. Bei seiner Ankunft in Dragonstone hatten ihm die grotesken Steine ein unbehagliches Gefühl bereitet, doch über die Jahre hinweg hatte er sich an sie gewöhnt. Mittlerweile betrachtete er sie als alte Freunde. Von Vorahnungen erfüllt, beobachteten die drei gemeinsam den Himmel.
An Omen glaubte der Maester nicht. Dennoch hatte Cressen in seinem langen Leben noch keinen Kometen gesehen, der nur halb so hell oder in dieser Farbe geleuchtet hätte, dieser entsetzlichen Farbe des Blutes, der Flamme und des Sonnenunterganges. Er fragte sich, ob seine granitenen Gefährten je einen derartigen Anblick zu Gesicht bekommen hatten. Schließlich harrten sie schon seit Ewigkeiten hier aus und würden noch da sein, wenn er selbst längst von dieser Welt Abschied genommen hatte. Wenn ihre Zungen sprechen könnten . . .
Was für eine Torheit. Er lehnte sich an die Zinne, das Meer toste unter ihm, der schwarze Stein fühlte sich rauh an. Sprechende Figuren und Prophezeiungen am Himmel. Ich bin ein alter Mann, und doch wieder so töricht wie ein Kind. Verließ ihn seine hart erarbeitete Weisheit zusammen mit Gesundheit und Körperkraft? Er war ein Maester, der seine Ausbildung in der großen Citadel in Oldtown genossen hatte und durch Gelübde an diese gebunden war. Was war bloß aus ihm geworden, wenn er dem Aberglauben anhing wie ein unwissender Feldarbeiter?
Und doch . . . und doch . . . der Komet erstrahlte jetzt sogar bei Tag, während grauer Dampf aus den heißen Schloten des Dragonmonts hinter der Burg aufstieg, und gestern morgen hatte ein weißer Rabe Nachrichten aus der Citadel gebracht, Neuigkeiten, die er lange erwartet und dennoch gefürchtet hatte, die Botschaft vom Ende des Sommers. Allesamt Omen. Zu viele, um sich darüber hinwegzusetzen. Was hat das alles zu bedeuten? hätte er am liebsten in den Morgen hinausgeschrien.
"Maester Cressen, wir haben Besuch." Pylos sprach leise, als wolle er Cressen in seinen ernsten Gedanken nicht stören. Hätte er gewußt, welcher Unsinn dem Maester im Kopf herumging, hätte er sich wohl kaum zurückgehalten. "Die Prinzessin wünscht den weißen Raben zu sehen." Korrekt wie stets nannte Pylos sie Prinzessin, da ihr Hoher Vater ein König war. König eines rauchenden Felsen im großen Salzmeer, jedoch nichtsdestotrotz ein König. "Ja, sie wünscht den weißen Raben zu sehen. Ihr Narr ist bei ihr."
Der alte Mann kehrte der Dämmerung den Rücken zu und stützte sich mit der Hand auf seinen geflügelten Drachen. "Helft mir zu meinem Stuhl und bittet sie herein."
Pylos ergriff seinen Arm und führte ihn ins Innere. In seiner Jugend hatte Cressen einen forschen Schritt vorgelegt, doch inzwischen war er nicht mehr weit von seinem achtzigsten Namenstag entfernt und wankte leicht auf seinen gebrechlichen Beinen. Vor zwei Jahren war er gestürzt und hatte sich die Hüfte gebrochen, und diese Verletzung war nie vollständig ausgeheilt. Im vergangenen Jahr war er erkrankt, und die Citadel hatte nur wenige Tage, bevor Lord Stannis die Insel abriegeln ließ Pylos aus Oldtown geschickt. Damit er ihn bei der Arbeit unterstützte, hieß es, aber Cressen wußte um die Wahrheit. Pylos war gekommen, um nach seinem Tod den Platz des Maesters einzunehmen. Er verübelte es ihm nicht. Jemand mußte an seine Stelle treten, und zwar vermutlich früher, als es ihm gefiel . . .
Er ließ sich von dem jüngeren Mann zu seinen Büchern und Schriftrollen geleiten. "Geht und führt sie her
Kritik
Martin G
